Erasmus Ungarn
Erasmus+ - Job Shadowing an unserer Partner Schule in Gyöngyös
Anlass der Reise:
Eine erfolgreiche Partnerschaft, wie die unserer Schule, mit der "Károly Róbert" Fachmittelschule für Handel, Gastronomie Tourismus und Wirtschaft in Gyöngyös, lebt von den persönlichen Kontakten zwischen Lehrerinnen und Lehrern und dem Austausch zwischen Schüler/innen unserer Schulen.
Seit über 25 Jahren besteht diese Schulpartnerschaft nun schon. Aus anfänglich rein beruflichen Kontakten sind richtige Freundschaften entstanden. Hilda Kuzbelt, betreut die Partnerschaft von ungarischer Seite aus seit Beginn.
Auch als Frau Kuzbelt vor einigen Jahren Schulleiterin geworden ist, blieb der Wunsch den Kontakt zu unserer Schule zu pflegen und auszubauen. Leider wurden die Besuche in Ungarn, von unserer Seite aus, in den letzten Jahren immer etwas weniger. Also war klar, wir müssen mal wieder nach Gyöngyös fahren. Und dies umso dringlicher, weil wir uns von Hilda Kuzbelt persönlich verabschieden wollten. Sie geht in diesem Schuljahr als Schulleiterin in den wohlverdienten Ruhestand. Zum Glück betreut Sie die Schulpartnerschaft als Erasmus + Koordinatorin aber weiter.
Reise 1. Teil: Geschichte und Kultur in der Hauptstadt Budapest
So machten wir uns, eine Gruppe von Lehrern/innen der CVS (Nicole Czerwoniak, Rita Müller, Martin Müller, Uwe Kochendörfer) und (Vertreterin der Praktikumsbetriebe, Ruth Keller) in den Pfingstferien auf die Reise nach Ungarn. Zum Glück hatten wir alle samt Gepäck im VW Bus genügend Platz. Nach 10-stündiger Fahrt trafen wir gut gelaunt und mit Vorfreude auf die kommenden Tage in Budapest ein. In den ersten 2 Tagen unserer Reise, erkundeten wir die mit 1,8 Millionen Einwohnern größte Stadt Ungarns.
Wir besuchten die bekannten Sehenswürdigkeiten, das Burgviertel im Stadtteil Buda (Teil des UNESCO-Weltkulturerbes), die Fischerbastei die Michaelskirche und genossen den Wunderbaren Blick über die Donau hinüber zum Stadtteil Pest.
Natürlich überquerten wir die Donau über die bekannte Kettenbrücke. Wir besichtigten das Parlamentsgebäude von außen und den für die ungarische Geschichte bedeutsamen Heldenplatz.
Besonders beeindruckt waren wir, von dem Besuch der zweitgrößten Synagoge der Welt, dem Gedenkpark mit jüdischem Museum und jüdischem Friedhof. Ein Spaziergang durch das jüdische Viertel, das während der Shoah als Ghetto diente in dem 200.000 Menschen eingepfercht waren, machte uns eindrücklich die Schrecken dieser Zeit bewusst.
Betroffen waren wir auch beim Besuch des Kunstwerkes „Schuhe am Donauufer, wo auf einer Länge von 40 Metern sechzig Paar Schuhe aus Metall auf dem Boden angebracht wurden. Sie sollen dem Gedenken an die Massenerschießungen von ungarischen Juden am Donauufer während der faschistischen Pfeilkreuzler-Diktatur 1944/45 erinnern.
Geschichtlich ging es weiter als wir das Felsenkrankenhaus-Atombunker-Museum besuchten. Es befindet sich unter dem Burgviertel und wurde während des Zweiten Weltkriegs und des Ungarischen Volksaufstandes als unterirdisches Krankenhaus genutzt.
Neben all den geschichtlichen und kulturell interessanten Unternehmungen blieb in Budapest natürlich auch noch Zeit die großartige ungarische Küche mit den bekannten Gerichten wie Gulasch und Langos kennen zu lernen.
Reise 2. Teil: Jobshadowing an unserer Partnerschule in Gyöngyös
Nach zwei ereignisreichen Tagen in Budapest machten wir uns auf den Weg ins ca. 90 km entfernte Gyöngyös. Unsere Partnerschule die „Károly Róbert Hungarian Maltese Charity Service School“, ist eine Schule für Gastronomie und Tourismus. Sie ist in privater Trägerschaft des Malteser Caritasdienstes. Dort wurden wir herzlich von der Schulleiterin Hilda Kuzbelt empfanden.
Die Ausbildung in Ungarn ist ähnlich zu unserm dualen System aufgebaut. Allerdings absolvieren die Auszubildenden den größten Teil ihrer Ausbildung in der Schule. Dort findet neben dem theoretischen Teil auch ein großer Teil der praktischen Ausbildung statt. In den umliegenden Betrieben absolvieren die Ausbildenden regelmäßig Praktika in Ihrem jeweiligen Ausbildungsberuf. Für die Durchführung des Praktikums ist die Schule und nicht der Schüler verantwortlich. Die Ausbildung ist gestaffelt. In einer 3-jährigen Ausbildung erwerben die SchülerInnen den Facharbeiterbrief als Koch, Kellner oder Konditor. Sie haben auch die Möglichkeit in einer längeren 5-jährigen Ausbildung das Abitur und den Abschuss als Touristikassistent/in zu erwerben.
Den ersten Tag in Gyöngyös verbrachten wir an der Schule. Zuerst besuchen wir das „Sohaz” Kabinet wo der fachpraktische Teil der Ausbildung an der Schule durchgeführt wird. Dort befindet sich eine Schulküche, eine kleine Konditorwerkstatt und Räume, in denen Gäste empfangen werden können. Wir wurden mit einem Menü aus mehreren Gängen, welches die Koch Azubis selbst zubereitet haben, verwöhnt. Das Menü wurde von den Kellner Azubis stillgerecht serviert. Wir bekamen Einblick in die Kunst der Zubereitung von Cocktails und leckeren Torten.
Danach haben wir die Klasse der Tourismusassistenten besucht und dabei eine Präsentation in Englisch mit aktuellem Lernmaterial zu Kostenkalkulation im Hotel gesehen.
Wir haben mit den Lehrern und Lehrerinnen vor Ort gesprochen und dabei erfahren, dass sie mit ähnlichen Problemen wie wir zurechtkommen müssen. Auch in Ungarn sind manche Schüler wenig motiviert und haben Leistungsdefizite. Der regelmäßige und pünktliche Schulbesuch ist dort ebenfalls nicht bei allen Schülern gegeben.
Es war dennoch für uns beeindruckend wie höflich wir von den Schüler*innen behandelt und wie professionell wir verköstigt und bedient wurden.
Der zweite Tag unseres Besuches stand im Zeichen der dualen Partner der Schule. Wir besuchten die Konditorei „Juhasz”, Restaurant „Kekestöld”, Restaurant „Borimami” in Gyöngyös. Danach fuhren wir in die Tourismusregion des Matra-Gebirges. Dort waren wir zu Gast im 5 Sterne Hotel Matrahaza „Ozon” und haben dann einen Betrieb besucht der Outdoor Events anbietet (Negy Evszak). Wir waren beeindruckt von der Qualität dieser Betriebe. So ist das Hotel Matrahaza „Ozon” ein Superior Hotel mit gehobener Gastronomie, riesigem Wellnessangebot und toller Lage in mitten der Wälder des Matra-Gebirges. Bei unseren Besuchen trafen wir sowohl aktuelle Auszubildende der Schule, wie auch ehemalige Schüler*innen. Diese arbeiten teilweise in gehoben Positionen in den Betrieben, was für die gute Ausbildung an der Karoly Robert spricht.
Am dritten Tag haben wir Zeit gehabt, um uns ausgiebiger mit den Lehrer*innen der Schule auszutauschen. Etwas schwer gefallen ist aus der Abschied von der scheidenden Schulleiterin Hilda Kuzbelt. Sie hat alles für uns organisiert, so dass wir uns gut betreut und sehr wohlgefühlt haben. Wir haben viele interessante Eindrücke über das ungarische Schulsystem bekommen, wurden bestens versorgt und haben unsere langjährige Freundschaft neu belebt. Schön ist, dass Hilda Kuzbelt uns schon im September wieder besucht. Sie begleitet dann, in ihrer Funktion als Erasmus Koordinatorin, ihre SchülerInnen zum Start ihres 4 wöchigen Praktiums in Gastoniebetrieben am Bodensee. Es ist schön, dass wir dadurch die Möglichkeit erhalten, ein Stück der uns entgegengebrachten Gastfreundschaft zurückzugeben.
Nach einer phantastischen Reise nach Ungarn „zu Freunden” kamen wir zurück mit vielen tollen Eindrücken im Gepäck. Über allem steht aber, dass es sich immer lohnt Freundschaften im Ausland zu pflegen. Gerade in unserer Zeit wo die Zeichen in der Welt auf Spaltung stehen, ist Begegnung und Austausch von großer Bedeutung.
“Zusammenkommen ist der Anfang. Zusammenbleiben ist ein Fortschritt. Zusammenarbeiten ist Erfolg.” - Henry Ford
In diesem Sinne wünschen wir uns, dass die Freundschaft zu unserer Partnerschule weiter gepflegt und erfolgreich durchgeführt werden kann. Dazu bedarf es engagierter Kolleginnen und Kollegen und Schulleitungen in beiden Schulen, die diese Arbeit im Sinne der Völkerverständigung weiterhin tatkräftig unterstützen.
Bedanken möchten wir uns besonders bei Hilda und bei Nicole, ohne deren organisatorischen Geschicks diese Reise nicht möglich gewesen wäre.
Andreas Glöser


