Erasmus Rom
Vom Gladiator im Kolosseum zum „Knowledge Mediator“ 2025
Anfang August bei fast 40°C Hitze erwachte in Rom mit wenigen Klicks „The Knowledge Mediator“. Mit Blick auf das Kolosseum lernte ich im Kurs „Artificial Intelligence (AI) for Education“, ein Lehrer-Superheld zu werden. Mein Avatar begleitete mich eine Woche lang durch den internationalen Kurs mit LehrerInnen aus Polen, Kroatien, der Slowakei, Ungarn, Spanien und Tschechien. Schon die kreativen Kennenlernaufgaben mit vielen Anregungen für den eigenen Unterricht zeigten, wie kompetent und motivierend die Kursleiterin Milena Krstic uns an das Thema AI und Unterricht heranführte. Die promovierte Sprachwissenschaftlerin begeisterte mit ihrem tiefgreifenden Wissen genauso wie mit ihrer Sprachkompetenz. Die in Kroatien aufgewachsene „Italo-Serbin“ spricht fließend Serbokroatisch, Spanisch, Italienisch und Englisch. Rasch vermittelte Milena uns, wie Softwareprogramme Sprachbarrieren fast völlig in den Hintergrund treten lassen.
Die eigenen Englischkenntnisse – als gemeinsamer Kurssprache – spielten bei der Nutzung der vorgestellten Tools kaum eine Rolle, da sich alle in ihrer Muttersprache mit den Programmen auseinandersetzen konnten. Auch der Kenntnisstand bezüglich Künstlicher Intelligenz fiel im Kurs sehr unterschiedlich aus. Konsens war jedoch schnell, dass alle Tools zunächst eine intensive und zeitaufwendige Einarbeitung erfordern, ehe von einer Zeitersparnis durch KI in der Schule die Rede sein kann.
Der Schwerpunkt an den fünf vollgepackten Unterrichtstagen lag natürlich darauf, zu erfahren und auszuprobieren, welche Optionen aktuelle KI-Tools für Schulen und zur Unterrichtsvorbereitung bieten. Ganz wichtig war dabei, Sinn und Nutzen der Angebote zu bewerten, diese auch kritisch zu hinterfragen sowie Aspekte von Datenschutz und Copyright nicht außer Acht zu lassen.
Ein spannender Nebeneffekt der ersten Aufgabe, online ad hoc eine kurze Schulpräsentation zu entwerfen, war es, die Vielfalt Europas vorgestellt zu bekommen - mit all ihren Besonderheiten der jeweiligen Schulen. Dennoch: Unterricht bleibt Unterricht und stellt an Lehrkräfte stets ähnliche Herausforderungen – egal ob am hochtechnisierten Gymnasium in Kroatien, der Grundschule in Tschechien oder der deutschen Beruflichen Schule.
Vor den antiken Kulissen des monumentalen Kolosseums, der faszinierenden Modeausstellung von Dolce und Gabbana oder des im heiligen Jahres meist übervollen Petersplatzes drehten sich meine Gedanken rund um Ideen, meinen Unterricht nach zwanzig Dienstjahren mit künstlicher Intelligenz aufzupeppen.
Wichtigste Erkenntnis im Gespräch mit Milena Kristic und den anderen Lernenden: Die Qualität der Ergebnisse jedes KI-Produktes steht und fällt mit genau durchdachtem „Prompten“ – und noch wichtiger ist es, die ausgegebenen Ergebnisse einschätzen und bewerten zu können.
Mit dem Bild des Lehrer-Superhelden kann ich mich anfreunden. Klar ist: Künstliche Intelligenz wird die Tätigkeit von Lehrenden grundlegend verändern – und das nicht erst in ferner Zukunft!
Die Constantin-Vanotti-Schule ist seit Jahren eine „Erasmus-Plus“-Schule. Die beiden Koordinatorinnen Nicole Czerwoniak und Gabi Schrodin setzen sich mit großem Einsatz dafür ein, kämpfen sich durch Anträge, koordinieren, netzwerken und bereiten Auslandsaufenthalte vor. Durch ihr Engagement sammeln jährlich Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte Erfahrungen im europäischen Ausland – auf sehr vielfältige Weise: Lehrkräfte können in einem „Jobshadowing“ (s. Artikel im Jahresbericht 2024) hautnah in Bildungssysteme anderer europäischer Länder eintauchen oder Fortbildungskurse besuchen. Diese werden international angeboten und fördern so ebenfalls die europäische Idee des interkulturellen Austauschs.

